Eine meiner seltsamsten, wenn nicht die seltsamsten Erfahrung mit Vorstellungsgesprächen. Die (promovierte) Leitung rief mich eine Woche vorab an, um mich mündlich einzuladen und mich auch schon recht detailliert zu meinem Lebenslauf zu befragen. Allerdings war die Art hier noch recht nett. Auffällig war, dass bekannte bis sehr bekannte Arbeitgeber des Wissenschaftsbereichs aus meiner beruflichen Vergangenheit nicht geläufig zu sein schienen genauso wie die Umsetzung bei einer meiner Tätigkeiten des online-gestützten Lehrens. Gerne erläuterte ich alles ausführlich.
Die Ausschreibung war im Abgleich mit Angaben auf der Website nicht besonders präzise, Stellenprofile hatten sich wohl geändert, die Fachbereiche waren für Externe nicht klar abzugrenzen und einige Programme sind in anderen Bundesländern (wo ich tätig bin) abweichend. Da ich durchaus ein sehr genau arbeitender Typ bin, rief ich wie im Einladungsschreiben bei fachbezogenen Fragen vom Personalamt angeboten einen Tag zuvor die Leitung an. Ich hatte lange überlegt, ob ich das mache und mich letztlich dazu durchgerungen, schließlich hatte man mich ja auch mit ganz grundlegenden Fragen kontaktiert - klarer Fehler meinerseits! Der Tonfall wurde fast unfreundlich, man könne dazu jetzt nichts sagen und bitte um Verständnis. Hab natürlich nett geäußert, dass das überhaupt kein Problem sei. Dieses mein "Defizit" wurde im anstehenden persönlichen Gespräch munter aufgegriffen und explizit auch auf das von mir Gefragte eingegangen. Die Atmosphäre war von Beginn an unangenehm,
die teilnehmenden Personen sahen sich in verschiedenen Konstellationen zwischendurch vielsagend an, man setzte normale Standards wie Bedanken für lange Anreise oder Wünschen guter Heimfahrt nicht um. Oder mit anderen Worten, es war leider eine völlig unsympathische Runde. Nur der einzige Mann in der Runde vom Personalrat, der allerdings nur eine Beobachterrolle hatte, blickte mal freundlich oder aufmunternd. Auch fachlich-inhaltlich ging das Ganze ins Absurde, es wurden teilweise detaillierteste Fragen gestellt, die man seriös nur mit Bearbeitungszeit oder als Interner hätte beantworten können. Des Weiteren zerpflückte die Leitung in einer geradezu investigativen Art meinen Lebenslauf und stellte wiederholt Fragen zu den Zeitrahmen meiner Tätigkeiten, als wollte sie einen Betrug aufdecken. Bei einer inhaltsbezogenen Aufgabe zog man meine Antwort bezüglich Vorschlag zur Weiterentwicklung ins Lächerliche und entgegnete mir ernsthaft wörtlich "Zu Ihrer Information, wir sind der größte Anbieter der Stadt" in diesem Bereich. Im betreffenden Bereich war jedoch im Internet nicht viel veröffentlicht, so dass man darauf leider nicht kommen sollte (viel mir nach dem Gespräch und erstem Schock ein). Dann müsste in Zeiten der Digitalisierung (dessen Förderung in der Ausschreibung ebenfalls verlangt ist:) eben die Website aktuell und ausführlicher gehalten werden.
Ärgerlich war am Rande ebenfalls, dass die Fahrtkostenübernahme in Aussicht gestellt wurde, ich solle beim Personalamt aber doch lieber nochmals nachfragen. War dann nicht der Fall, aber irgendwie seltsam, man wird ja nicht erstmals jemanden eingeladen und interviewt haben. Es bleibt der Eindruck, dass hier eine selbst tendenziell uninformierte und ungenau arbeitende Organisation der eher alten Schule von den zukünftigen Mitarbeitern bei intransparenten Voraussetzungen eher ein Höchstmaß an Perfektion erwartet. Auch Atmosphärisch liegt hier etwas im Argen, die von einem ehemaligen Mitarbeiter getätigte Bewertung hier (erst nach Gespräch gesichtet) klingt für mich sehr nachvollziehbar. Mir war (erstmals) nach einem Gespräch wichtig anschließend meine Rückmeldung an den potentiellen Arbeitgeber zu geben, von diesem "Feedback" genannt. Ich hatte also ein freundliches, aber ebenso leicht seltsames Telefonat mit einer Personalerin, die immerhin etwas betroffen von meiner Sicht über das Gespräch war. Inzwischen liegen im Übrigen andere Angebote vor, bin also weder frustrierte Übriggebliebene noch Berufsanfängerin, möchte mich lediglich umorientieren bzw. weiterentwickeln. Diese Erfahrung zu teilen war mir jedoch wichtig und es ist mir schleierhaft, wie manche Führungskräfte nur durch die Abwertung vermeintlicher Neukonkurrentinnen bestehen bleiben.